Interview: Wasserstoff-Aktien – Turnaround in Sicht?

Stefan Krick
Stefan Krick

Finanz-Blogger, Unternehmer, Vermögensarchitekt

Im aktuellen Interview mit wikifolio geht es um die Frage, ob ein Turnaround im Wasserstoff-Sektor in Sicht ist. Zusätzlich gehe ich auf meine drei aktuellen Favoriten Plug Power, SFC Energy und Ceres Power ein.

wikifolio hat mich als Wasserstoff- und Anlageexperten mal wieder zu einem Interview zum Thema Wasserstoff eingeladen.

Die letzten Wochen und Monate waren für Besitzer von reinen Wasserstoff-Aktien (d.h. Unternehmen die sich zu 100 % auf das Geschäft mit Wasserstoff und Brennstoffzellen konzentrieren) ziemlich zermürbend. Auch das wikifolio Wasserstoff & Brennstoffzellen, welches in den gleichnamigen Megatrend investiert, ist vom Hoch Anfang des Jahres um ca. 40 % gefallen. Doch damit sind die Bewertungen vieler Unternehmen wieder deutlich attraktiver geworden. Sobald neue Technologien anfangen sich zu etablieren, ist die Volatilität immer hoch. Für schwache Nerven ist das natürlich nichts, doch wer hohe Gewinne erzielen will muss auch ein höheres Risiko eingehen.

Ich habe mich den Fragen von wikifolio gestellt mit dem Kernthema, ob ein Turnaround in Sicht ist. Dabei wurden die Fragen in deutlich verkürzter Form auf wikifolio veröffentlicht. Die ausführlichen Antworten auf meine Fragen findet ihr direkt unter dem Link. Hier zunächst der Link zum Interview auf wikifolio:

Wasserstoff-Aktien – Turnaround in Sicht?

Ist der Abverkauf der Wasserstoff-Werte vorbei?

Nachdem die Wasserstoff-Werte bis in den Mai hinein stark korrigiert haben, scheint diese Abverkaufswelle nun gestoppt zu sein. Durch die Kurskorrektur sind die Bewertungen der Unternehmen nun wieder deutlich attraktiver. Die guten Nachrichten bezüglich der globalen Entwicklung in der Wasserstoff-Branche haben indes nicht abgenommen: Die Fördergelder gelangen langsam in den Markt, Unternehmen schließen Kooperationen, Technologien werden zur Reife gebracht, usw. Zudem machen globale Wetterkatastrophen (wie z.B. kürzlich in Nordamerika) die Bedeutung von Wasserstoff als emissionsfreien Energieträger erneut deutlich. Ich denke dadurch stehen Wasserstoff-Werte erneut auf dem Zettel vieler Investoren.

Wie werden sich die Titel ihrer Einschätzung nach in den nächsten Monaten entwickeln?

Ich denke aufgrund des Absturzes ist nun wieder deutlich mehr Potenzial nach oben vorhanden. Einige kleinere Wasserstoff-Werte wie z.B. Cell Impact oder SFC Energy stehen aufgrund guter Unternehmensmeldungen und hervorragender Aussichten bereits kurz vor neuen Jahreshochs. Wohingegen vor allem die gehypten amerikanischen Wasserstoff-Werte wie z.B. Plug Power oder Ballard Power noch einen langen Weg bis zu neuen Hochs vor sich haben. Sofern der Aufschwung der Weltwirtschaft stabil bleibt, traue ich den Wasserstoff-Werten in den nächsten Monaten einen deutlichen Anstieg zu. Die Fortschritte der Wasserstoff-Branche sind unverkennbar und der Multi-Milliarden-Markt steckt noch in den Kinderschuhen. Wer zu den kürzlichen „Ausverkaufskursen“ nicht zugegriffen hat, könnte sich in ein paar Jahren ziemlich ärgern.

Ist aktuell ein guter Einstiegszeitpunkt?

Die Frage ist immer schwierig zu beantworten, da sehr viele Faktoren mit reinspielen. Gemessen an den diesjährigen Höchstkursen könnte man meinen, dass der Einstiegszeitpunkt gut ist. Doch nur weil eine Aktie 50 % gefallen ist, heißt das nicht, dass Sie nicht nochmal 50 % fallen kann. Wenn man sich die Bewertungen wie KUV anschaut sind viele Unternehmen wie Ballard Power oder NEL Asa immer noch über 50 und damit „teuer“. Doch auch Tesla als „First Mover“ und „Innovator“ wurde in der Anfangszeit 2013 zu einem KUV von über 50 gehandelt. Wer trotz solch eines hohen KUV eingestiegen ist, kann sich heute über mehr als 1000 % Gewinn freuen.

Eins ist klar, durch die Kursrückgänge ist der Einstiegszeitpunkt natürlich deutlich besser als vor ein paar Monaten. Wenn man auf noch günstigere Kurse wartet, könnten einem diese wieder davonlaufen. Wer glaubt, dass an Wasserstoff in Zukunft kein Weg vorbeiführt, sollte Investieren. Die Chancen sind gigantisch aber die Volatilität ist ebenfalls hoch. Die Zeiten der schnellen „100 Prozent Gewinn“ sind denke ich erstmal vorbei. Jetzt ist Geduld und Durchhaltevermögen gefragt, wie beim Beispiel Tesla.

Welche 3 Wasserstoff-Aktien sind derzeit ihre Favoriten und warum?

Favorit Nr. 1: Plug Power.
Anfang des Jahres noch der High-Flyer der Wasserstoffbranche, verlor die Aktie in den kommenden Wochen fast 70 % des Wertes. Dies lag wohl an den übertriebenen Erwartungen und Bilanzproblemen, welche zwischenzeitlich bereinigt wurden. Für mich bietet Plug Power aufgrund der aggressiven Expansionsstrategie enorme Chancen. Man ist dabei sich vom reinen Brennstoffzellenhersteller zu einem Komplettanbieter für die gesamte Wertschöpfungskette, d.h. von der Wasserstofferzeugung bis zur Endnutzung, zu wandeln.

Durch die perfekt getimte Kapitalerhöhung (Wert: 1,82 Mrd. US$) kurz vor dem Kurssturz und den Deal mit SK Group (Wert: 1,5 Mrd. US$) sitzt man aktuell auf fast 5 Mrd. US$ Cash. Dadurch ergibt sich ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von unter vier, was alles andere als teuer ist (zum Vergleich: Tesla liegt bei 27). Zudem starten viele Projekte von Plug Power, welche den Umsatz ab 2022 antreiben werden: In Europa wurden große Kooperationen mit Acciona (Produktion von grünem Wasserstoff) und Renault (Bau von leichten Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen durch Joint-Venture HYVIA) geschlossen, durch die Beteiligung von Südkoreas SK Group wird der asiatische Markteintritt geplant und in den USA werden neue Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff in New York, Georgia und Pennsylvania gebaut, zudem entsteht in New York eine Gigafactory zur Herstellung von PEM-Brennstoffzellen.

Bis 2024 möchte Plug Power Bruttoumsätze von 1,7 Mrd. US$ erzielen, was bei derzeitiger Marktkapitalisierung einem künftigen KUV von 11 entspricht. Die Ziele sind ambitioniert und es würde mich nicht wundern, wenn der Zeitplan zu eng bemessen ist. Doch die Zukunftsaussichten sind gut und ich traue Plug Power bis 2030 zu, eines der wichtigsten reinen Wasserstoffunternehmen auf der Welt zu werden.

Favorit Nr. 2: SFC Energy.
SFC Energy ist ein deutsches Unternehmen, welches sich auf die Produktion von Direktmethanol-Brennstoffzellen spezialisiert hat. Kürzlich ist man auch auf den Markt für Wasserstoff-Brennstoffzellen eingetreten, um vom globalen boom in der Branche ebenfalls zu profitieren. SFC Energy konzentriert sich dabei auf die Bereiche Notstrom, netzferne Stromversorgung und mobile Hybrid-Stromversorgung. Im Mai erhielt man noch den größten US-Einzelauftrag der Firmengeschichte und einen Tag später stand das beste Startquartal der Unternehmensgeschichte.

Machte die Corona-Krise SFC Energy mit einem Umsatzrückgang noch schwer zu schaffen, zieht die Nachfrage nach grünen Brennstoffzellenlösungen von SFC Energy deutlich an. Bis 2025 sollen die Umsätze auf 350 – 400 Mio. € steigen (GJ 2020: 53,22 Mio. €). Zudem ist SFC Energy sehr innovativ und entwickelt seine Technologien immer weiter: So gewann die EFOY Brennstoffzelle erst kürzlich den iF Design Award. Auch laufen neue Kooperationen mit Jenoptik, Johnson Matthey oder Toyota Tsusho an. Besonders die Kooperation mit Toyota ist von enormer Bedeutung, um auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen.

Die guten Meldungen bei SFC Energy nehmen zu und die Aktie steht kurz vor einem neuen Jahreshoch. Dennoch ist die Aktie im Vergleich zu Branchenkollegen deutlich günstiger zu haben: Aktuell liegt das KUV bei knapp über sechs. Zudem winkt bald ein Aufstieg in den SDax, wenn die Marktkapitalisierung von nicht einmal 500 Mio. € weiter steigt. SFC Energy bietet enormes Wachstumspotenzial und das zu einem moderaten Preis.

Favorit Nr. 3: Ceres Power.
Ceres Power ist ein britisches Unternehmen, welches sich auf die Entwicklung von Festoxid-Brennstoffzellen (SOFC) konzentriert. Diese Art der Brennstoffzelle ist bisher eine der am wenigsten eingesetzten und die meisten setzen auf PEM-Brennstoffzellen.

Das muss aber kein Nachteil sein, denn SOFCs bieten eine Reihe von Vorteilen wie z.B. hohe Wirkungsgrade oder das Auskommen ohne Edelmetalle. Demgegenüber steht allerdings ein riesiger Nachteil: die Dynamik. So mag die SOFC beispielsweise keine häufigen An- und Abschaltvorgänge. Ceres Power versucht die Technologie zur Reife zu bringen und den Nachteil beherrschbarer zu machen.

Zudem fließt viel Geld in die Forschung, um den Prozess umzukehren und die Vorteile auch bei der Wasserstoffproduktion durch einen Elektrolyseur zu nutzen (SOEC). Bei einer kürzlich erfolgten Vorstellung der SOEC-Technologie zeigte sich der Broker Berenberg bereits beeindruckt und sieht darin „… a long-term winner of the clean energy“ und schreibt „No other electrolyser technology […] can reach this level“. 

Dabei stehen Ceres Power mit Bosch und Weichai Power zwei starke Partner zur Seite, welche jeweils 17,75 % am Unternehmen halten. Durch das Lizenzmodell von Ceres Power werden bereits Bruttomargen von über 70 % erzielt. Das gelingt, in dem sich Ceres Power auf die Forschung und Entwicklung konzentriert und die kapitalintensive Produktion dann bei den Partnern liegt.

Zuletzt wurde ein Rekord-Halbjahr mit 20 Mio. € Umsatz erzielt, 90 % höher als im Vorjahreszeitraum. Sollte die neue SOEC-Technologie noch durchschlagen, ergibt sich ein enormer Wettbewerbsvorteil mit Potenzial auf ein Vielfaches des bisherigen Umsatzes. Das Wachstumspotenzial dieses noch sehr kleinen Unternehmens ist gigantisch.

Falls ihr euch einen Überblick über die globale Situation in der Wasserstoffbranche verschaffen möchtet, schaut euch mal meinen Ende November 2020 veröffentlichten Blogbeitrag an: Ausbruch des globalen Wasserstoff-Booms in vollem Gange?

Hier gibt es außerdem weitere interessante Interviews/Webinare/Berichte mit mir oder über mich: In den Medien


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