Teradyne überzeugt auch im dritten Quartal

Stefan Krick
Stefan Krick

Finanz-Blogger, Unternehmer, Vermögensarchitekt

Der Hersteller von Halbleitertestsystemen Teradyne übertrifft wieder einmal die Analystenerwartungen und überzeugt im dritten Quartal. Wie sind die Ergebnisse einzuordnen.

Teradyne überzeugt auch im dritten Quartal. Im März dieses Jahres stellte ich bereits das Unternehmen Teradyne ausführlich vor, die Analyse gibt es HIER. Kurze Erinnerung: Teradyne liefert Testsysteme für die Halbleiterindustrie. Die bekannten Hersteller wie Apple, Nvidia oder Intel sind allseits bekannt für Ihre Endprodukte wie Smartphones, Grafikkarten oder Prozessoren. Weniger bekannt ist, dass all diese Produkte Halbleiter beinhalten und Teradyne liefert dafür die Testsysteme. Ohne die Testsysteme von Teradyne würden unsere Smartphones demnach nicht funktionieren. Teradyne ist dabei kaum jemanden bekannt, ist aber in der Branche der Halbleitertestsysteme marktführend und wächst seit Jahren sehr stark. Dabei hat Teradyne in der letzten Woche ein Rekordquartal gehabt und die Analystenerwartungen weit übertroffen. Wenn ich an Teradyne denke, denke ich sofort einen interessanten Spruch von Andre Kostolany:

„Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln!“

Andre Kostolany

Die Bedeutung: Teradyne liefert dabei die „Schaufeln“ für die Halbleiterhersteller. Egal um welchen Halbleiterhersteller es sich handelt, er braucht Testsysteme um die Produktqualität sicherzustellen. Teradyne wird also seine Umsätze machen, egal wer die Halbleiter herstellt.

Die Quartalsergebnisse

Teradyne überzeugt auf ganzer Linie. Nachfolgend die zusammengefassten Ergebnisse des 3. Quartals:

  • Umsatz von 951 Mio. US$, ein Anstieg von 16 % gegenüber dem Vorjahresquartal.
  • Bruttomarge von 60 %, gegenüber einer Bruttomarge von 56 % im Vorjahresquartal.
  • Ein Gewinn (Non-GAAP) von 1,59 US$ je Aktie, ein Anstieg von 35 % gegenüber dem Vorjahresquartal.
  • Der Umsatz im Segment „Industrieautomation“ ist um 32 % gegenüber dem Vorjahresquartal gewachsen.

Teradyne hat dabei die Analystenerwartungen übertroffen, beim Umsatz um 18,13 Mio. US$ und beim Gewinn (Non-GAAP) um 0,16 US$ je Aktie. Sehr interessant ist auch, dass das seit 2016 neu gegründete Segment „Industrieautomation“ sogar um 32 % gewachsen ist und nun bereits knapp 10 % des Konzernumsatzes ausmacht, Tendenz steigend. So langsam machen sich die Übernahmen, speziell von Universal Robtos, bemerkbar. Belasteten die Übernahmen die Ergebnisse von Teradyne noch die letzten Jahre, tragen diese nun zu erhöhten Margen und Umsätzen bei. Die Geschäftsführung hat zudem die Erwartungen für das 4. Quartal angehoben.

In den Vergangenen vier Quartalen sowie den letzten drei Geschäftsjahren wurden die Analystenerwartungen beim Gewinn jedes Mal übertroffen. Anscheinend ist selbst die große Wall-Street jedes Mal aufs neue von Teradyne überrascht.

Schon im 2. Quartal dieses Geschäftsjahres stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 29 % und der Gewinn je Aktie (Non-GAAP) um 44 %. Komischerweise reagierte der Aktienkurs im Juli kaum auf diese Meldung. Dadurch wurde die Aktie gemessen am KGV nochmals günstiger.

Der Kursverlauf

Durch die Corona-Krise stieg die Teradyne Aktie rasant von knapp 40 € im März 2020 auf mehr als 120 € im Januar 2021. Durch die seit fast einem Jahr anhaltende Seitwärtsbewegung des Aktienkurses ist die Bewertung auf Basis des KGV sogar gesunken, da die positive Geschäftsentwicklung weiter fortgesetzt wurde. Man erkennt im Chart genau den Punkt als die Ergebniszahlen gemeldet wurden (27. Oktober). Danach ging es nämlich steil bergauf von 100 € auf nun 120 €.

Vielen unerfahrenen Anlegern sind Aktien wie Teradyne „zu langweilig“. Man möchte am liebsten Kaufen und die nächste Woche soll es dann steigen, wenn nicht raus damit. Bei einer Qualitätsaktie wie Teradyne zeigt sich mal wieder, dass man Geduld braucht und Kursrückgänge gute Nachkaufgelegenheiten darstellen. Nun ist die Aktie seit den Quartalszahlen um knapp 25 % gestiegen. Viele Anleger sagen sich jetzt: „Der Kurs ist jetzt so hoch gestiegen, ich kann doch nicht kaufen“. Und genau hier liegt ein weiterer Fehler, indem man dem sogenannten „Ankereffekt“ unterliegt. Man klammert sich nur an den Kurs und vergisst die Geschäftsentwicklung und Zahlen und verpasst deswegen eine intakte Wachstumsstory. Zu welchem Zeitpunkt wäre es in der Vergangenheit verkehrt gewesen z.B. bei Microsoft zum All-Time-High einzusteigen? Genau, zu keinem. Und ähnliches passiert hier bei Teradyne, welche ich als langfristigen Gewinner der kommenden Megatrends wie Automatisierung und Digitalisierung sehe. An dieser stelle sei nochmal an die ausführliche Unternehmensanalyse erinnert: HIER.

Die Bewertung

Wie gesagt steht die Aktie nun wieder fast auf einem neuen Jahreshoch. Doch die Bewertung ist im Vergleich zur Branche der Halbleiterausrüster und -hersteller vergleichsweise gering. Aktuell hat Teradyne ein KGV von knapp 30. Nach dem letzten vollen Geschäftsjahr betrug das KGV noch knapp 44. Trotz Kursanstieg ist die Aktie also „günstiger“ geworden aufgrund der guten Geschäftsentwicklung. Insbesondere die hohe Bruttomarge von fast 60 % ist in der Branche der Hersteller von Halbleitertestsystemen ein Novum. Zudem kauft das Unternehmen aus dem laufenden Cash-Flow seit 2014 massiv eigene Aktien zurück. Das führt dazu, dass jeder Aktionär welcher die Aktie einfach nur hält, jedes Jahr ein Stückchen mehr vom Kuchen erhält (in Form von Gewinn). Durch die sogar noch steigende Bruttomarge demonstriert Teradyne außerdem seine Preissetzungsmacht.

Teradyne hat sich die letzten Jahre still und heimlich zu einem Branchenführer entwickelt und ist immer noch recht unbekannt. Die niedrige Bewertung bei stetig steigendem Umsatz und Gewinn sind klare Qualitäskriterien. Ich denke die Aktie von Teradyne fliegt bei vielen immer noch „unter dem Radar“.

Die Aussichten

Teradyne überzeugt die letzten Jahre. Das Kerngeschäft mit Halbleitertestsystemen floriert. Das erfahrene Management hat zudem 2016 mit dem Einstieg in die Industrieautomatisierung mit diversen Übernehmen, wie z.B. von Universal Robots, alles richtig gemacht. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stiegen die Umsätze in diesem Bereich prozentual doppelt so stark wie im Kerngeschäft der Halbleitertestsysteme. Teradyne ist somit gut aufgestellt um von den kommenden Megatrends Digitalisierung und Automatisierung stark zu profitieren.

Ich kann mir gut Vorstellen, dass das Management im Hintergrund auch die nächste Übernahme eines aussichtsreichen Kandidaten vorbereitet. Dabei muss man immer aufpassen, dass man keine „Diworsification“ (d.h. unsinnige Übernahmen, weit weg vom Kerngeschäft ohne Synergieffekte) betreibt. Da Teradyne seine Kernkompetenz im Bereich Elektrotechnik hat (CEO hat Elektrotechnik studiert), ist die Industrieautomatisierung geeignet um Synergieeffekte zu erzeugen. Man kann das im Unternehmen seit Jahrzehnten angesammelte Know-How auch hier einbringen.

Fazit

Ich hätte gerne die letzten Wochen, wo sich der Aktienkurs nur Seitwärts bewegt hat, jeden nochmal auf die günstige Bewertung von Teradyne hingewiesen. Doch das ist nicht meine Art. Ich versuche durch hochwertige Analysen auf das Potenzial von Unternehmen hinzuweisen (siehe HIER), auf deren Basis kann sich jeder selber eine Meinung bilden. Meine Intention ist in hochwertige Aktien mit Qualität und langfristigen Wachstumsaussichten zu investieren und diese lange zu halten, auch in solche Seitwärtsphasen.

Teradyne ist für mich nicht erst seit des kürzlichen Kursanstiegs ein Basisinvestment in meinem Depot sowie in meinem wikifolio „Zukunft & Trends„. Viele Unternehmen in der Halbleiterbranche weisen mittlerweile exorbitante Bewertungen auf. ASML hat beispielsweise ein KGV von derzeit über 80 und ein KUV von über 20. Teradyne hat ein KGV von knapp 30 und ein KUV von knapp 8, dabei hat Teradyne sogar bessere Margen als ASML bei einem etwas schwächeren Wachstum.

Teradyne fliegt etwas unter dem Radar und erzeugt über die Medien auch kaum Aufmerksamkeit. Dabei hat Teradyne sehr viel zu bieten: Günstige Bewertung (KGV) im Branchenvergleich, zusätzliches Standbein der Industrieautomatisierung, erfahrenes Management, starkes Wachstum und Aktienrückkäufe.

Wie gesagt profitiert Teradyne sehr stark von den Megatrends Digitalisierung und Automatisierung. Die Börse hat durch den kürzlichen Kursanstieg auch reagiert und versteht nun wohl, dass das Wachstum von Teradyne noch lange nicht am Ende ist. Wenn Teradyne vom Markt nun eine höhere Bewertung zugebilligt wird, z.B. ein KGV von 40 (welches im Branchenvergleich immer noch nicht teuer ist), ergibt sich theoretisch ein Kurs von 190 €.

Doch das Ausgeben von Kurszielen ist nicht mein Ding. Ich weiß nur, dass Teradyne seit Jahren überzeugt und es sich um ein qualitativ hochwertiges Unternehmen handelt, welches noch viel Wachstum vor sich hat. Auf „günstige“ Nachkaufgelegenheiten zu warten könnte ein Fehler zu sein, da wir die 100 € pro Aktie wohl vorerst nicht wieder sehen werden. In meinem wikifolio „Zukunft & Trends“ habe ich die Seitwärtsbewegung genutzt und die Aktien zu ca. 100 € das Stück eingesammelt. Nun warte ich einfach ab bis die Qualität von Teradyne vom Markt noch mehr erkannt wird.

Disclaimer: Der obere Beitrag ist lediglich eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Verantwortung übernommen. Der eigene Handel mit der vorgestellten Aktie ist möglich. Jede Person ist selber für sein Handeln verantwortlich. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.


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