Wochenrückblick Wasserstoff Aktien in KW 35 & 36

Stefan Krick
Stefan Krick

Finanz-Blogger, Unternehmer, Vermögensarchitekt

Im aktuellen Podcast schauen wir auf die Entwicklungen der Wasserstoff Aktien in KW 35 und 36. Hauptthemen sind die Zinserhöhung der EZB, Halbjahreszahlen von 2G Energy und ABO Wind sowie die Entwicklung der Strompreise.

Nach einer kleinen Pause in der letzten Woche, schauen wir im neuesten Podcast wieder auf die Entwicklungen der Wasserstoff Aktien in den Kalenderwochen 35 und 36. Das wichtigste Thema war wohl die Zinserhöhung der EZB. Zuvor haben bereits interessante Unternehmen aus der Wasserstoffbranche Quartalszahlen gemeldet. Außerdem werfen wir einen Blick auf die hohen Strompreise und das Merit-Order-Prinzip.

Als Wasserstoff Experten und Börsen Profis stehen wieder Arnd-Rüdiger Schwarz und Stefan Krick (investiere-mit-zukunft.de) Rede und Antwort. Hört euch den Podcast direkt hier an:

Link zum Beitrag auf boerse-n.de

Zusammenfassung des Podcasts:

Zinserhöhung EZB

Die EZB hat am 08.09.2022 den Zinssatz um 0,75 Basispunkte auf nun 1,25 Prozent. Außerdem soll der Zins die nächsten Monate weiter steigen. Die EZB hat als eine der größten Zentralbanken ziemlich spät gehandelt. Sowohl die amerikanische FED als auch die bank of england hatten schon viel früher reagiert. Dies ist wohl auch Ursache dafür, dass der Euro/Dollar Kurs in den letzten Wochen auch unter die Parität gefallen ist (d.h. 1 US$ kostete mehr als 1 €). Die EZB rechnet derweil nicht mit einer Rezession, sondern nur mit einer Stagnation. Trotzdem wurden die Wachstumsprognosen für das BIP nach unten revidiert.

Da die EZB (speziell Frau Lagarde) im letzten Jahr noch vehement eine Inflation ausschloss, liegt in den Aussagen ein guter Kontraindikator. Da die EZB nicht mit einer Rezession rechnet wird wahrscheinlich genau dies passieren. Der DAX ist auf die Zinserhöhung, obwohl dies bei Marktexperten eigentlich keine Überraschung war, erstmal um 2 % gefallen. Dieser hat sich im Tagesverlauf allerdings wieder gefangen und ist am Freitag nochmal deutlich gestiegen. Es bleibt spannend, wieviel einer wahrscheinlichen Rezession an der Börse bereits eingepreist ist oder ob nochmal eine große Panik aufkommt.

Halbjahreszahlen

ABO Wind

Das Unternehmen ABO Wind dürfte noch nicht allzu häufig im Rahmen von Wasserstoff genannt worden sein, handelt es sich doch primär um einen deutschen Projektierer von Wind- und Solarparks. Doch spannend ist, dass ABO Wind Vertreter bei der Unterzeichnung des Wasserstoffabkommens am 24. August zwischen Deutschland und Kanada anwesend waren. Zuvor wurde bereits eine Kooperationsvereinbarungen mit einem kanadischen Partner bekanntgegeben: Mit 11 Gigawatt Windkraft sollen in Kanada jährlich 900.000 Tonnen Wasserstoff produziert werden. In Ammoniak umgewandelt kann dieses dann z.B. nach Deutschland per Schiff transportiert werden.

Außerdem hat ABO Wind in Deutschland bereits eine H2-Tankstelle mit realisiert. In Tunesien entsteht gerade ein 500 MW Projekt zur Entsalzung von Meerwasser, Elektrolyse und Wasserstoffeinspeisung in Gaspipeline nach Europa. Die Geschäftsführung hat das Potenzial von Wasserstoff erkannt und möchte auch als Projektierer von erneuerbaren Energien mitverdienen. Doch nun zu den Ergebniszahlen vom 31.08.2022.

Der Überschuss des Konzerns liegt mit 9,6 Millionen Euro deutlich über dem des ersten Halbjahres 2021 (6,5 Millionen Euro). Die Gesamtleistung ist im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahres um rund 50 Prozent gewachsen. Die Umsatzerlöse und Erhöhung des Bestands summieren sich für die ersten sechs Monate 2022 auf 127,3 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2021: 83,9 Millionen Euro). Der Vorstand hält an Prognose für 2022 fest, mindestens Gewinn auf Vorjahresniveau zu erzielen, d.h. 13,8 Mio. €.

Das aktuelle KGV auf Basis der Prognose liegt bei stolzen 38. Aktuell hat ABO Wind allerdings eine riesige Projektpipeline und arbeitet weltweit an Wind-, Solarparks und Speicherprojekten mit einer Gesamtleistung von mehr als 20 Gigawatt. Durch Skaleneffekte und höheren Umsatz dürfte das KGV weiter sinken, weshalb ich die aktuelle Bewertung nicht als Problem erachte. Zudem sind weitere 15 Gigawatt Windanlagen im Aufbau, welche Strom für eine geplante Produktion von grünem Wasserstoff liefern sollen.

ABO Wind ist bereits seit Jahren profitabel. Zudem steigen die Margen und Umsätze kontinuierlich an. Die Projektpipeline wird immer größer und man arbeitet mit am Zukunftsthema Wasserstoff. Damit ist ABO Wind ein interessanter und weniger spekulativer „Pick“ im Wasserstoffsektor.

2G Energy

Am 05.09.2022 hat der deutsche Hersteller von Blockheizkraftwerken (BHKW) 2G Energy seine Halbjahreszahlen bekannt gegeben. Die Umsatzerlöse erhöhen sich auf 114,0 Mio. Euro (H1 2021: 106,9 Mio. Euro). Deutlich stärker stieg die Gesamtleistung um 26,2 Mio. € auf einen Rekordwert von 137,8 Mio. €, da das Neuanlagengeschäft kundenseitig von Verzögerungen gekennzeichnet war. Die Umsatzerwartung für 2022 wird am unteren Ende um 10 Mio. € auf 290 Mio. € angehoben. Das EBIT übertrifft mit 2,6 Mio. Euro das Vorjahresniveau um 13 % (H1 2021: 2,3 Mio. Euro).

Mit Spot-Preisen von über 200 Euro pro MWh für Gas und 500 Euro pro MWh Strom haben sich die Energiepreise in den letzten Wochen auf bisher unbekannte Niveaus entwickelt. Die Wirtschaftlichkeit von Erdgas-BHKW nimmt dadurch erheblich zu. Sowohl für Erdgas-BHKW wie auch für Biogas-BHKW liegen die Amortisationszeiten dadurch teilweise unter zwei Jahren. „Gerade der inhabergeführte Mittelstand investiert derzeit in BHKW, nach dem Motto: Gas kann nicht so teuer bleiben und Strom wird sicherlich nur bedingt günstiger“, sagt CEO Christian Grotholt zur aktuellen Marktentwicklung.

Auch das KGV von 2G Energy liegt mit 32 aktuell ziemlich hoch. Doch auch 2G Energy steigert seit Jahren kontinuierlich Margen und Umsätze. Zudem kommt die Fantasie hinzu, dass in Zukunft deutlich mehr Wasserstoff-BHKW nachgefragt werden. Ich halte die aktuelle Bewertung daher nicht für zu hoch.

Sehr erfreulich ist außerdem die fast 100 % Steigerung des Amerika-Umsatzes. Erst Anfang Mai bekam 2G Energy den ersten reinen reinen Wasserstoff-Auftrag aus Nordamerika. Hier zeigt sich die zunehmende Dynamik, vor allem in den USA.

Zusammenfassung

ABO Wind und 2G Energy sind zwei „blended Player“ im H2-Sektor, d.h. es wird nur ein kleiner Teil der Umsätze mit Wasserstoff erzielt. Beide Unternehmen positionieren sich aber bereits für die Zukunft und wollen am boomenden Wasserstoffsektor teilhaben.

Dabei wachsen beide Unternehmen kontinuierlich und sind bereits seit langem Profitabel. Kein Vergleich also zu „pure Playern“, wie z.B. Plug Power, wo noch sehr viel Fantasie in den Kursen steckt. Ich denke wenn sich die geopolitische Lage etwas entspannt, können beide Unternehmen große Gewinner werden. Denn aktuell wird leider wieder auf kurzfristige Gewinner im Öl- und Gassektor geschaut.

Entwicklung der Strompreise

Merit-Order-Prinzip

Das sogenannte Merit-Order-Prinzip führt nach Meinung der Politik wohl aktuell zu überhöhten Strompreisen und auch eine Änderung ist bereits im Gespräch. Diese Meinung teile ich nicht und halte dieses Prinzip für sinnvoll, Problem der hohen Strompreise hat eine andere Ursache. Doch was ist dieses Merit-Order-Prinzip eigentlich?

Beim Merit-Order-Prinzip geben Stromproduzenten an, zu welchem Preis sie wieviel Strom zur Verfügung stellen können. Der günstigste Anbieter erhält zuerst den Zuschlag. Dann werden solange immer die nächst teureren Anbieter gewählt, bis der Gesamtbedarf gedeckt ist. Allerdings erhält der günstigste Anbieter ebenfalls den Preis für den Strom aus der teuersten noch zur Bedarfsdeckung beitragenden Stromquelle.

Da wir nicht genügend günstige erneuerbare Energien haben, müssen auch teure Gaskraftwerke laufen, um den Gesamtbedarf zu decken. Und da der Gaspreis in die Höhe geschossen ist, bestimmt dieser quasi den Strompreis aktuell. D.h. das Merit-Order-Prinzip führt aktuell dazu, dass Erzeuger erneuerbarer Energien wie Wind, Wasser und Sonne hohe Extragewinne erzielen. Denn diese können ihren günstigen grünen Strom zum teuren Strompreis von Gaskraftwerken verkaufen.

Eigene Gedanken

Nun will die Politik den Erzeugern erneuerbarer Energien ihre Zufalls- oder Extragewinne wieder abnehmen, was ich für ein fatales Zeichen halte. Denn der hohe Strompreis liegt offensichtlich nicht im Merit-Order-Prinzip begründet, sondern in den hohen Gaspreisen. Denn wären gar keine ineffizienten und teuren Gaskraftwerke mehr am Netz, oh Wunder, dann wäre der Strompreis auch viel günstiger. D.h. ein konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien hätte uns vor diesen hohen Strompreisen bewahren können, doch hier hat die Politik die letzten Jahre geschlafen.

Und nun will man den Produzenten erneuerbarer Energien die Gewinne abknüpfen, damit diese keinen Anreiz mehr haben ihre Kapazitäten auszubauen und damit den Strompreis nach unten zu bringen? Ja ne ist klar! Das ganze Konzept des Merit-Order-Prinzips ist nämlich darauf ausgelegt, den Ausbau erneuerbarer Energien lukrativ zu machen. Doch genau das würde durch eine Abschöpfung der Gewinne verhindert.

Zudem redet aktuell kaum jemand über Energiespeicher, z.B. Batterie oder Wasserstoff. Zu Spitzenzeiten kann der ganze erneuerbare Strom gar nicht genutzt werden. Das führt dazu, dass Anlagen abgeregelt oder Strom z.B. nach Frankreich „verschenkt“ wird. Es müssten Anreize geschaffen werden, mehr Energiespeicher zu bauen. Dadurch würde der erneuerbare Strom natürlich etwas teurer aber ist am Ende immer noch sehr viel günstiger als Kohle und vor allem Gas.

Fazit

Es liegen zwei spannende Börsenwochen hinter uns. Die Zinserhöhung der EZB konnte niemanden Schocken und die Börse hält sich wacker. In der kommenden Woche stehen allerdings wieder Inflationszahlen aus den USA an. Bei den letzten Inflationszahlen hatten die Börsen auf minimal besser als erwartete Zahlen sehr positiv reagiert.

Mit ABO Wind und 2G Energy haben zwei deutsche Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien bzw. Wasserstoff sehr positive Halbjahreszahlen gemeldet. Unabhängig von Inflation, Zinserhöhungen und Krieg halten sich die Aktienkurse dieser Unternehmen weiter sehr gut. Bei einer weltweiten Entspannung könnten diese Unternehmen vielleicht sogar richtig durchstarten.

Hier gelangt ihr außerdem zum dazugehörigen Beitrag auf der Internetseite von boerse-n.de. Dort findet ihr zudem weitere spannende Artikel und Podcasts zum Thema nachhaltige Geldanlage:

Die Aktien von ABO Wind und 2G Energy befinden sich ebenfalls in meinem Wasserstoff-Musterdepot auf wikifolio. Schaut auch gerne in meinem Blog vorbei, dort gibt es regelmäßig spannende Aktienanalysen, Podcasts, Webinare und viele weitere spannende News. Wollt ihr direkt bei neuen Blogbeiträgen informiert werden? Dann abonniert einfach meinen kostenfreien Newsletter.

Disclaimer: Der obere Beitrag ist lediglich eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Verantwortung übernommen. Der eigene Handel mit der vorgestellten Aktie ist möglich. Jede Person ist selber für sein Handeln verantwortlich. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.


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