AFC Energy – alkaline Brennstoffzellen für die E-Mobilität?

Stefan Krick
Stefan Krick

Finanz-Blogger, Unternehmer, Vermögensarchitekt

AFC Energy möchte am E-Mobilitäts-Boom mit stationären Brennstoffzellen mitverdienen. Mit dem Partner ABB soll der Ausbau der Ladeinfrastruktur vorangetrieben und das Geschäft kommerzialisiert werden. Wie sehen die Aussichten von AFC Energy aus?
Quelle: AFC Energy plc - Annual General Meeting Presentation - 30 April 2019

Sehr gute Nachrichten gab am 16.12.2020 das noch sehr kleine britische Brennstoffzellen-Unternehmen AFC Energy bekannt. Man startet eine strategische Partnerschaft mit dem Schweizer Unternehmen ABB, einem Anbieter von Elektro- und Automatisierungstechnik. Gemeinsam möchte man die nächste Generation von Ladelösungen für Elektrofahrzeuge (EV) entwickeln. Im wikifolio Wasserstoff & Brennstoffzellen halte ich eine kleine spekulative Position AFC Energy. In diesem Artikel möchte ich etwas genauer auf das Unternehmen und die Aussichten mit der neuen Partnerschaft im Rücken eingehen.

Was macht AFC Energy?

AFC Energy wurde erst 2006 gegründet und befand sich während der letzten 14 Jahre eigentlich nur im Forschungsstadium. Man entwickelt hauptsächlich alkaline Brennstoffzellen (alkaline fuel cells – AFCs), welche als sehr kostengünstig gelten. Das liegt unter anderem daran, dass keine teuren Edelmetalle, wie z.B. Platin, als Katalysator benutzt werden müssen. Außerdem war es die erste Brennstoffzellen-Art, die serienmäßig Anwendung fand. Das Unternehmen hat also den gleichnamigen Namen dieser Brennstoffzellenart. Im unteren Bild seht ihr ein paar Key-Facts zu AFCs.

Quelle: https://hydrogeneurope.eu/fuel-cells

AFC Energy hat mittlerweile eigene Brennstoffzellen unter dem Namen HydroX-Cell serienreif weiterentwickelt. Ein Hauptproblem von AFCs ist, dass hochreiner Wasserstoff benötigt wird, was die kostengünstige Herstellung egalisiert. Die Entwicklungsarbeit der letzten Jahre hat allerdings dafür gesorgt, dass mittlerweile auch kostengünstiger Industriewasserstoff verwendet werden kann. Aufgrund der größeren Bauform kommen AFCs nur selten in mobilen Anwendungen vor. Hier haben andere Brennstoffzellen, vor allem die PEMFC (proton exchange membrane fuel cell), die Nase vorne.

AFC Energy konzentriert sich also voll auf stationäre Anwendungen, wie z.B. die Versorgung von Datencentern, Notstromaggregaten oder Elektroladesäulen mit Strom. Mit dem neuen Partner ABB möchte man vor allem von der boomenden E-Mobilität profitieren und Ladesäulen emissionsfrei mit Energie versorgen. Wenn AFC Energy es schafft die kosten für die Brennstoffzellen gering zu halten, bei gleichzeitiger Möglichkeit günstigen „nichtreinen“ Wasserstoff einzusetzen, hätte man eine Chance gegen den starken Wettbewerb.

Die Partnerschaft mit ABB

Bei ABB handelt es sich auf der anderen Seite um einen großen Konzern mit langjähriger Erfahrung und mehr als 100.000 Mitarbeitern. Das bereits seit 1883 bestehende Unternehmen bietet Lösungen rund um Elektrifizierung, Industrieautomation und Robotik an. In den letzten Jahren hat man den Geschäftsbereich E-Mobilität weiter ausgebaut.

Gemeinsam mit AFC Energy will man die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge bereitstellen. AFC Energy soll dabei seine stationären Brennstoffzellen zur emissionsfreien Stromerzeugung liefern, ABB die Infrastruktur drumherum. Man erwartet, dass der Markt für Ladeinfrastruktur bis 2030 ein Volumen von 140 Milliarden US$ erreicht. Das gemeinsame System soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 zunächst in Großbritannien, Europa, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern einsatzbereit sein.

Für AFC ist die gemeinsame Partnerschaft ein wichtiger Schritt zur Kommerzialisierung der eigenen Brennstoffzellen. Man möchte nun so langsam das „Laborstadium“ verlassen und Geld verdienen. Doch der Weg ist noch sehr weit. AFC ist mit einer Marktkapitalisierung von ca. 400 Mio. US$ und nur 26 Mitarbeitern ein wirklich sehr kleines Unternehmen. Da man noch keine nennenswerten Umsätze erzielt, ist es aktuell unmöglich einen fairen Unternehmenswert zu beziffern.

Risiken von AFC Energy

AFC Energy hat durch die Partnerschaft mit ABB das Interesse der Investoren geweckt. Aufgrund der Meldung vom 16.12.2020 steigt die Aktie im Tagesverlauf um mehr als 20 %. Ich selbst halte in meinem wikifolio Wasserstoff & Brennstoffzellen schon lange eine kleine Position AFC Energy von unter 2 %. Die Chancen sind enorm, aber es gibt wirklich sehr viele unbekannte Risiken.

Was mich etwas beunruhigt ist die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen. Im Geschäftsjahr 2015 waren es noch 49 Mitarbeiter, im Geschäftsjahr 2019 nur noch 26. Ein gesundes Wachstumsunternehmen sollte eigentlich Fachpersonal ohne Ende suchen, wenn es an den Durchbruch der eigenen Technologie glaubt. Man verbrennt außerdem jedes Jahr viel Geld. Beim aktuellen Cash-Burn reicht das Geld kein Jahr mehr, um die Geschäftsaktivitäten am Laufen zu halten. Ich gehe davon aus, dass man in der nächsten Zeit den starken Kursanstieg für eine Kapitalerhöhung nutzen wird.

Hinzu kommt, dass das Management einige Aktienoptionen besitzt, die erst beim Erreichen eines bestimmten Aktienkurses ausgezahlt werden können. Diese Schwellen fangen bei £ 1.00 (ca. 1,11 €) an. D.h. das Management wird bestrebt sein den Kurs durch gute Meldungen hochzutreiben, um diese Aktienoptionen ausüben zu können. Natürlich sind Aktienoptionen nichts Ungewöhnliches, doch man muss immer Aufpassen, dass das Unternehmen nicht nur „heiße Luft” produziert.

Aus meiner Sicht bestehen ebenfalls technologische Risiken. Seit 2006 forscht man an den AFCs und bisher hat man noch keine serienreifen Anwendungen vorzuweisen, die Geld einbringen. Zwar sind die Brennstoffzellen von AFC Energy günstig und können nun auch „unreineren“ Wasserstoff, doch andere Unternehmen schlafen nicht. Es ist auch die Frage, ob sich die AFCs wirklich in der breiten Masse durchsetzen, da andere Brennstoffzellen keine so hohen Anforderungen an den Wasserstoff stellen. Die Konkurrenz ist jedenfalls sehr groß und hat schon vorgelegt. Ob AFC Energy den Vorsprung aufholen kann bleibt abzuwarten.

Fazit

AFC Energy birgt aufgrund der genannten Risiken und der geringen Unternehmensgröße viele Unsicherheiten. Wenn man es allerdings schafft eine Nische zu finden, in welcher die eigenen Produkte perfekt eingesetzt werden können, ergibt sich ein großes Potenzial. Der erste Schritt durch die Zusammenarbeit mit ABB ist gemacht und der E-Mobilitäts-Boom könnte genau das sein, was AFC Energy bisher gefehlt hat. Wer in AFC Energy investiert sollte allerdings einen langen Atem haben, denn Umsätze werden wohl erst im Jahr 2022 erzielt. Bis dahin ist also noch viel Zeit und der Kurs wird sehr volatil bleiben. Wer jetzt allerdings den Mut hat in dieses kleine und aufstrebende Unternehmen zu investieren, könnte belohnt werden.

Im wikifolio Wasserstoff & Brennstoffzellen werde ich weiter eine kleine Position AFC Energy halten und aufgrund der guten Nachrichten evtl. minimal Ausbauen. Die Risiken sind mir für eine größere Position allerdings zu groß. Andere britische Unternehmen wie Ceres Power (mit einem Klick auf das Unternehmen gelangt ihr zu einer Unternehmensanalyse) sind da deutlich weiter und bieten schon jetzt eine Menge Wachstum, welche man im Moment bei AFC Energy noch vergebens sucht. Immerhin müssen sich die Brennstoffzellen von AFC Energy erstmal bei einer serienreifen Anwendung beweisen und Geld einbringen. Ich bin gespannt, wo man in einem Jahr steht.

Disclaimer: Der obere Beitrag ist lediglich eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Verantwortung übernommen. Jede Person ist selbst für ihr Handeln verantwortlich.

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