Skandal um Nikola Motor reißt Wasserstoffwerte mit runter

Stefan Krick
Stefan Krick

Finanz-Blogger, Unternehmer, Vermögensarchitekt

Der Skandal um Nikola Motors reißt derzeit die gesamte Wasserstoffbranche mit runter. Der Gründer Trevor Milton macht sich aus dem Staub. Was bedeutet das für Nikola Motor und die gesamte Wasserstoffbranche.

Was bisher geschah

Nach dem fulminanten Börsendebüt von kannte der Kurs kein halten mehr und stieg mehrere hundert Prozent an. Genauso schnell fiel der Aktienkurs aber wieder und man dachte auf Basis verschiedener Analystenmeinungen im Bereich von 30 € bis 40 € eine „faire“ Bewertung gefunden zu haben. Vor zwei Wochen stieg der Kurs kräftig an, nachdem General Motors sich mit Aktien im Wert von 11 % an Nikola Motors beteiligt hat. Alle dachten dies wäre die Initialzündung für Nikola Motors. Direkt danach kamen erste Anschuldigungen vom Shortseller Hindenburg Research auf: Unter anderem ist die Rede davon, dass nie ein funktionierender Prototyp existiert haben soll. Bei Technologieausblicken soll Nikola ebenfalls gelogen haben. Auch dubiose Fahrzeugreservierungen, Partnerschaften und Beteiligungen werden angeprangert. Insgesamt ein vernichtendes Urteil. Nikola hat daraufhin eingeräumt, dass sein Elektro-LKW bei einer Video-Präsentation gar nicht selbst fuhr, sondern ohne eigenen Antrieb einen Hügel hinunterrollte.

Doch so ist das bei Shortsellern welche mit fallenden Kursen ihr Geld verdienen. Man hat mit einer starken Reaktion von Nikola Motors und Gründer Trevor Milton gerechnet welche die Zweifel ausräumen sollten. Doch was dann passiert ist unfassbar: Trevor Milton, der Gründer von Nikola Motors, tritt am Montag, den 21.09.2020 mit sofortiger Wirkung zurück. Die Aktie bricht daraufhin völlig ein und hat sich innerhalb von wenigen Tagen fast halbiert.

Gründer macht sich aus dem Staub

Doch nicht nur das, wie die New York Post berichtet hat Trevor Milton vergangene Nacht seinen Twitter Account mit 100.000 Followern abgemeldet. Das Verschwinden aus den sozialen Medien soll sich dabei mit dem Tag der Trennungsvereinbarung überschneiden welche Trevor Milton Aktien im Wert von 2,5 Mrd. US$ als zusichern. Noch am 10. September versprach Trevor Milton mit Tweets seinen Ruf zu verteidigen: “Feiglinge laufen“ und „die Führer bleiben und kämpfen für Integrität” soll er geschrieben haben. Nun soll auch noch die US-Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium bei Nikola ermitteln. Insgesamt ein Armutszeugnis für die Firma und vor allem für den Gründer Trevor Milton, welcher bei ersten Schwierigkeiten das Handtuch wirft und seine Aktien im Wert von Milliarden mitnimmt. Er ist mit über 20 % immer noch größter Einzelaktionär der Firma.

Vorsicht bei neuen Börsengängen

Der Fall Nikola Motors zeigt wie schnell es gehen kann an der Börse. Ein Unternehmen welches keinen einzigen Euro Umsatz macht wird grenzenlos hochgejubelt. Die Fantasie war das einzige was die Anleger interessiert hat. Eigentlich steige ich in den ersten ein bis zwei Jahren nach einem Börsengang (IPO) nie in ein Unternehmen ein. Im wikifolio hatte ich trotzdem nach dem ersten Abverkauf für knapp 30 € eine kleine „Erinnerungsposition“ mit weniger als ein Prozent Depotwert gekauft. Direkt nach den Anschuldigungen habe ich selbst diese kleine Position mit einem Verlust verkauft. Für mich ist das Vertrauen in die Firma erstmal zerstört und der reale Unternehmenswert nicht zu beziffern. Viele verglichen Nikola schon mit Tesla. Doch an Nikola sieht man wie ein Unternehmen mit dem Gründer steht und fällt. Trevor Milton packt bei den ersten großen Schwierigkeiten seine Koffer. Elon Musk hat hingegen immer gekämpft obwohl Tesla ebenfalls Ziel vieler Shortseller und Betrugsvorwürfe war. Ohne Elon Musk wäre Tesla nie da wo es heute ist. Bei Nikola geht der Gründer bevor die Story erst losgeht und das ist für mich ein No-Go. Ich werde daher von Nikola Motors erstmal die Finger lassen bis der erste Jahresbericht draußen ist und man das Unternehmen von den Zahlen etwas besser einschätzen kann.

Aufwirkungen auf die -Branche

Leider reißt der Skandal um Nikola Motors diese Woche die gesamte Branche rund um Wasserstoff & Brennstoffzellen mit in den Abgrund, allen voran den norwegischen Lieferanten von Elektrolyseanlagen und Betankungsstationen NEL. Das liegt daran, dass NEL bereits Aufträge von Nikola erhalten hat und man gemeinsam ein Betankungsnetz in den USA aufbauen wollte. Die Anleger haben nun Angst, dass sich diese zukünftigen Umsätze in Luft auflösen. Doch für mich ist das langfristig kein Problem: NEL hat viele namenhafte Partner und Kunden wie Shell, Engie sowie die Gasriesen Air Liquide und Linde. NEL hat seine Umsätze in den letzten drei Jahren nahezu verdoppelt, die Mitarbeiterzahl hat sich vervierfacht und durch die Kapitalerhöhung ist die Finanzierung ohne nennenswerte Schulden gesichert. NEL wird von dem European profitieren und beim Aufbau der so wichtigen Elektrolysekapazitäten eine zentrale Rolle spielen. Man ist nicht so stark auf Nikola angewiesen wie viele Anleger befürchten. Durch den Kurssturz ist die Bewertung auch gesunken.

Fazit

Insgesamt bekommen am heutigen Donnerstag, den 24.09.2020, so ziemlich alle Wasserstoffwerte „eins auf den Deckel“. Das zuletzt hoch gejubelte Unternehmen und meine größte Position im wikifolio fiel in der Spitze sogar zweistellig. Und das auch noch am Tag wo Plug Power sein 4-stündiges Symposium abhält und man interessierten Anlegern tiefe Einblicke in die aktuellen Geschäftsfähigkeiten gibt. In der Vergangenheit kam es öfters zu so kräftigen Kursstürzen, manchmal sogar ohne erkennbaren Grund. An den Zukunftsaussichten für die Wasserstoffbranche ändert das aber nichts. Wenn Corona überstanden ist wird es mit den Investitionen in solche Grünen Technologien erst richtig losgehen.

Sehr interessant werden auch die Wahlen in den USA. Sofern Jon Biden das rennen macht will er mit 2 Billionen US$ den US Klimaplan vorantreiben. Dies würde vor allem den amerikanischen Wasserstoffwerten wie Plug-Power, , oder FuelCell Energy einen ordentlichen Schub geben. Heute ist natürlich ein schwerer Tag für die Wasserstoffbranche und vor allem NEL als Nikola Partner hat es schwer erwischt. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich viele Wasserstoffwerte dieses Jahr bereits verdoppelt haben. Da sind Rücksetzer normal, tun in der Größenordnung von heute (das wikifolio „Wasserstoff & Brennstoffzellen“ verliert heute ca. 7 %) natürlich sehr weh. Die Zukunftsaussichten sind aber weiterhin gut und könnten mit einem „grünen“ US-Präsidenten in Form von Joe Biden noch besser werden. Weltweit wird so viel in den Ausbau erneuerbaren Energien und Wasserstoffwirtschaft gesteckt wie niemals zuvor.

Man muss Geduldig sein und vor allem auch an eine Zeit nach Corona glauben wo die Geschäfte wieder besser laufen werden. Und die Wasserstoffbranche wird über die nächsten Jahre noch viel stärker wachsen als zuletzt. Wo die Reise hingeht zeigen verschiedene Ankündigungen: Mercedes will bis 2025 einen serienreifen Wasserstofftruck entwickeln und Airbus hat verschiedene Konzepte für ein wasserstoffbetriebenes Passagierflugzeug welches 2035 serienreif sein soll vorgestellt. Die Politik hat den Anschub gegeben, so z.B. mit der 9 Mrd. € schweren Deutschlands. Der Klimawandel ist ohne alternative Treibstoffe und Energiespeicher wie Wasserstoff nicht machbar. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig (Verkehr, Gebäudetechnik, lokale Energiespeicher, usw.) und nun investieren auch die großen Unternehmen, manche gezwungenermaßen, in die Wasserstofftechnik. Trotz der hohen Bewertungen mancher Unternehmen glaube ich an einen langfristigen Aufwärtstrend für die gesamte Wasserstoffbranche, welcher gerade erst am Anfang steht. Größere Rücksetzer wie heute sind immer möglich, sollten einen langfristig orientierten Anleger aber nicht verunsichern.

Disclaimer: Der obere Beitrag ist lediglich eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Verantwortung übernommen. Jede Person ist selber für ihr Handeln verantwortlich. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.


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