Schwergewichte der Wasserstoffbranche präsentieren Quartalszahlen

Stefan Krick
Stefan Krick

Finanz-Blogger, Unternehmer, Vermögensarchitekt

Die Schwergewichte der Wasserstoffbranche haben ihre Quartalsergebnisse vorgelegt. Wie sehr wurden die Geschäfte bereits durch Corona beeinträchtigt? Wir schauen uns die Zahlen von Ballard Power, Plug Power, NEL ASA und Bloom Energy an.

In den letzten zwei Wochen haben einige Schwergewichte der Branche Wasserstoff & Brennstoffzellen ihre Ergebnisse des ersten Quartals des aktuellen Geschäftsjahres veröffentlicht. Die Quartalsergebnisse sind dabei immer mit Vorsicht zu genießen, da immer der Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres gezogen wird. Ebenfalls ist die Zuordnung von bestimmten Einnahmen und Ausgaben sowie die Wirkung von Sondereffekten zum entsprechenden Quartal oftmals schwierig. Quartalsergebnisse sollten dennoch beobachtet werden um zu prüfen ob das Unternehmen „auf Kurs“ ist. Dementsprechend folgt eine kurze Übersicht der „nackten“ Zahlen und anschließend eine kurze Interpretation (die Zahlen wurden direkt aus den Quartalsberichten der jeweiligen Unternehmen entnommen):

Umsatz um 50 % gestiegen von 16 Mio. US$ auf 24 Mio. US$ bei einer Bruttomarge von 22 %. Verlust um 19 % gestiegen von 12 Mio. US$ auf 14,3 Mio. US$; zurückzuführen auf um ca. 50 % gestiegene Betriebsausgaben, vor allem für Forschung und Entwicklung sowie Verwaltung.

Ballard Power gibt weiter Vollgas und erhöht die Ausgaben für Forschung und die Ausweitung der Geschäftsaktivitäten (z.B. für das Joint-Venture mit Weichai Power sowie die geplante Produktionsstätte in Shandong – China), dementsprechend wurde auch der Verlust ausgeweitet. Mit 78 % Eigenkapitalquote und geringem Cash-Burn ist Ballard Power solide aufgestellt um diesen Expansionskurs zu finanzieren.

Umsatz um 89 % gestiegen von 21,6 Mio. US$ auf 40,8 Mio. US$ bei einer Bruttomarge von -11 %. Verlust um 21 % gestiegen von 31 Mio. US$ auf 37,5 Mio. US$. Aufgrund der gestiegenen Aktienanzahl, durch die im letzten Jahr durchgeführte Kapitalerhöhung, ist der Verlust je Aktie allerdings von 0,14 US$ auf 0,12 US$ gesunken. Betriebsausgaben sind um 28 % gestiegen.

Plug Powers Umsatzwachstum ist enorm, allerdings übersteigen die Kosten des Umsatzes diesen, sodass die Bruttomarge negativ ist. Im Klartext heißt dies, dass jedes Verkaufte Produkt zusätzliches Kapital benötigt. Im letzten Geschäftsjahr war die Bruttomarge allerdings positiv, sodass man sich noch keine zu großen Sorgen machen muss. Auch Plug Power fährt einen offensiven Expansionskurs, man will sich durch die geplante Übernahme von United Hydrogen neue Kompetenz im Bereich Elektrolyseure einkaufen. Plug Power sieht sich in der Zukunft als ein Komplettanbieter, von einzelnen und Komplettlösungen bis hin zu Elektrolyseuren und Betankungsstationen. Dies voranzutreiben kostet viel Geld, weswegen sich Plug Power nicht zuletzt durch eine Kapitalerhöhung zusätzliches Geld gesichert hat. Die Eigenkapitalquote mit nur 15 % ist aber weiterhin dünn und die Schulden sind mittlerweile doppelt so hoch wie das Eigenkapital. Aufgrund des hohen Cash-Burns wird man sich bei diesem heftigen Expansionskurs bald wieder Geld besorgen müssen.

Umsatz um 3 % gestiegen von 12 Mio. US$ auf 12,43 Mio. US$ bei einer Bruttomarge von 60 %. Verlust der normalen Geschäftstätigkeit um 67 % gestiegen von 5,1 Mio. US$ auf 8,5 Mio. US$. Aufgrund von Währungsumtauschgewinnen sowie einer Neubewertung von Darlehen gab es Finanzeinnahmen in Höhe von 8 Mio. US$, sodass am Ende ein Nettoverlust von 0,3 Mio. US$ steht und damit der Verlust je Aktie fast ausgeglichen ist. Ohne diese Effekte steht ein Verlust von 0,0067 US$ je Aktie.

NEL ist hinter den Analystenerwartungen zurückgeblieben. Allerdings ist der Auftragsbestand um 46 % auf 58 Mio. US$ angewachsen, sodass man auch gut durch die Krise kommen müsste. Durch die hohe Bruttomarge blieb in diesem Quartal von den Verkäufen auch viel Geld hängen. Wobei man dazu sagen muss, dass aufgrund des nicht so gut aufgegliederten Quartalsberichts die Kosten des Umsatzes am Ende wahrscheinlich etwas höher liegen. NEL investiert auch kräftig weiter und weitet daher die Verluste aus. Die Hoffnung bei NEL liegt ganz klar auf dem anstehenden Börsengang des Partners Nikola Motors für die man Elektrolyseure und Betankungsstationen bauen will.

Umsatz um 6,6 % gestiegen von 147 Mio. US$ auf 157 Mio. US$ bei einer Bruttomarge von 12,7 %. Verlust um 25 % gesunken von 108,7 Mio. US$ auf 81,6 Mio. US$; zurückzuführen auf um ca. 46 % gesunkene Betriebsausgaben, vor allem für die Verwaltung.

Bloom Energy dreht ordentlich an der Profitabilitätsschraube indem man die Betriebsausgaben deutlich senkt. Dies ist allerdings auch bitter nötig, denn wenn man nicht langsam nachhaltig profitabel wird, dann werden die Schulden zu einem Problem, denn Bloom Energy hat dazu noch ein negatives Eigenkapital. Trotzdem steht nach diesem Quartal neben einem hohen Verlust auch ein negativer Cash Flow. Die Analysten hatten allerdings einen noch größeren Verlust erwartet. Einzig die, für die Wasserstoffbranche günstige, Bewertung von EV/Sales von 2,6 spricht aktuell für Bloom Energy.

Fazit

Insgesamt hielten sich die Überraschungen in Grenzen und die Ergebnisse sind zumeist wie erwartet ausgefallen. Es bleibt abzuwarten wie die Ergebnisse im 2. Quartal ausfallen, denn dann wird sich auch voll bemerkbar machen. Hier sind Unternehmen im Vorteil die eine gute Eigenkapitaldecke und geringen Cash Burn haben. Dies trifft bei den vier Unternehmen nur auf Ballard Power zu. Der Gesamtmarkt wird dieses Jahr wahrscheinlich sehr volatil bleiben. Die Wasserstoffbranche lebt sehr viel von den Zukunftsaussichten und weniger von den aktuellen Zahlen der Unternehmen. Daher sollte man die Quartalszahlen nicht überbewerten. Kurzfristig sehe ich von den oberen unternehmen Ballard Power am solidesten für die Krise gerüstet. Langfristig wird sich bei NEL zeigen wie stark man vom Börsengang von Nikola profitieren kann und ob Plug Power seine ganzen ambitionierten Versprechungen einhalten kann. Bloom Energy ist für mich sehr schwierig einzuschätzen, da einerseits „günstig“ bewertet und andererseits eine Katastrophale Kapitaldecke.

Disclaimer: Der obere Beitrag ist lediglich eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Verantwortung übernommen. Jede Person ist selber für ihr Handeln verantwortlich. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.


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